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Innen ist es hässlich

 

 

Die U-Bahn benutze ich kaum noch. Das ist wie mit dem Lesen. Nur ist die Zeitverschwendung in der Bahn auch körperlich eine Zumutung. Darf ich sitzen, kann ich atmen, muss ich mithören? Die Reise durch ein Buch ist da schon bequemer.

Vielleicht wird im tiefen Untergrund aber auch das Schlimmste angesprochen, was man so an inneren Werten zu verbergen hat.

 

 

 

Kürzlich musste es aber sein, Fahrrad weg, Schnee? Weiß nicht mehr. Gegenüber sitzt eine junge Frau. Blond, sehr hübsch und ganz offensichtlich geistig minderbemittelt. Wieso richtet man sonst in aller Öffentlichkeit die Haare in der Spiegelung der Scheibe? Dann noch Lippenstift, klar. Weiteres Gekrame in der riesigen Handtasche. Sucht sie jetzt die Gurkenscheiben?

 

 

Ich werde abgelenkt vom Geruch eines Obdachlosen. Er hofft, das schlechte Gewissen der Leute verwandelt sich in ein paar Münzen. „Und, wie läuft´s so?“ FRAGT IHN DIE BLÖDE BLONDE. „Könnt‘ besser sein, geb´ nicht auf.“ Sie mit teuren Löchern in der Hose, er mit echtem Schranz. Die Beiden haben sich schon öfter unterhalten. Es herrscht ein vertrauter Ton.

 

Zu spät, dem jungen Mann meine Scham zu vergüten.

 

Gut, dass die inneren Werte innen sind.

 

 

Fotocollage: Susanne

 

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