23. Februar 2021
"Sprech Deutsch!"
Das ist es ja. Das Problem, meine ich. Deutsch ist eine schwierige Sprache. Wenn auch nicht so schwierig wie Suaheli oder Mongolisch. Zumindest für Deutsche. Für Ostafrikanerinnen und Mongolen ist es natürlich nicht ganz so schwer. Zumindest, wenn sie mongolisch- oder suahelisprechende Mütter, Tanten und Kumpels haben. Richtig kompliziert wird’s, wenn die Mutter Suaheli, Lehrer, Verkäuferinnen und Freundinnen aber Deutsch sprechen. Meine Mutter konnte gut Deutsch. Immer super Noten. Ich...
07. Februar 2021
Lassie
Ich schaue jetzt Tierfilme. Zuletzt habe ich das mit 13 gemacht. „Ein Platz für Tiere“ hieß die Sendereihe. Bernhard Grzimek berichtete über wilde Tiere und ließ dabei ein Äffchen auf sich rumturnen. Wir saßen auf der dunkelbraunen Couch-Garnitur und aßen Paprika-Chips mit Cola. Für den Großvater waren die Löwen, Hyänen und Nilpferde das Größte. Für uns die Chips. Viel besser als Grzimek waren aber die anderen Filme mit Tieren: Daktari, Flipper, Fury, Lassie. Aber das waren...
19. Januar 2021
Putztag
Den Mob kenne ich von früher. Er wurde für den Holzboden in der Schneiderwerkstatt des Großvaters rausgeholt. Weniger ein Ding zum Putzen als ein lustiges Tierchen mit Wuscheln, Fransen und Löckchen. Wir durften aufsitzen und mitwischen, wenn die Oma gut gelaunt war. Mit großen Schwüngen ging es in die Ecken, unter den hohen Bügeltisch und dann im Slalom ab durch die Mitte. Leider wurden wir viel zu schnell viel zu groß für den Spaß. Der einzige Sport, für den ich einem Verein...
05. Januar 2021
Sorry
Es tut mir furchtbar leid, aber diese Mode verstehe ich nicht: Neuerdings wird öffentlich um Verzeihung gebeten, dass es eine Pracht sein könnte. In alle Richtungen geht das. Vorwärts in die Zukunft schaute schon im April 2020 Herr Spahn: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ Sorry, aber was meint der Mann? Dass wir, Du und ich, andere Menschen angesteckt haben? Dass sie, der Jens und die Angela, falsche Entscheidungen getroffen haben werden?...
13. Dezember 2020
Das Dorf hat einen schlechten Ruf. In den Nachbarorten und im ganzen Landkreis gibt es Abzählreime und Schmählieder. Da kommen Räuber vor und Schlägereien. Es herrscht ein grober Zungenschlag. Sie hat das nie verstanden. Im Städtchen nebenan geht es samstagnachts auch nicht vornehm zu, obwohl die einen Tennisclub haben. Aber wer braucht schon Tennis, wenn es Handball gibt? Und wenn der Schiri schiebt, muss ein Riegel vor. Das nächste Spiel ist in zwei Wochen. Ob es richtig ist, den...
05. Dezember 2020
Es heißt, das Leben sei kein Wunschkonzert. Darüber lässt sich streiten. Ein Leben ohne Wünsche, wie soll das gehen? Wir wünschen uns doch alle von Geburt an tausenderlei: Zuneigung, Wärme und zerdrückte Bananen am Anfang. Später vielleicht Erfolg, Geld und Hummersalat. Dazu kommen noch die ganz großen Sachen: Gesundheit, Liebe und Frieden auf Erden. Manche schrecken sogar vor dem Wunsch nach Glück nicht zurück. Frei nach Peter Handke hat in diesem Jahr das Wünschen allerdings nicht...
15. November 2020
Mit der Kultur ist es so eine Sache. Die einen finden es schon kultiviert, mit Messer und Gabel zu essen. Andere meinen damit Bach oder Shakespeare. Das eine ist Jil Sander: „Kleidung ist selbstverständlich ein Ausdruck von Kultur.“ Das ist praktisch. Das andere ist Goethe: „Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“ Das ist weltfremd. Das...
01. November 2020
Deutschland. Ein Wintermärchen Heinrich Heine (1797 - 1856) Im traurigen Monat November war's, Die Tage wurden trüber, Der Wind riß von den Bäumen das Laub, Da reist ich nach Deutschland hinüber. Und als ich an die Grenze kam, Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen In meiner Brust, ich glaube sogar Die Augen begunnen zu tropfen. Und als ich die deutsche Sprache vernahm, Da ward mir seltsam zumute; Ich meinte nicht anders, als ob das Herz Recht angenehm verblute. Ein kleines Harfenmädchen...
25. Oktober 2020
Priska sah aus wie eine Furie. Selbst wenn sie sich nicht so aufführte. Das lag an den Haaren. Sie waren lang und dick und kraus. Da half auch das Blond nicht. Man musste an die Frau des Monsters in „Frankensteins Braut“ denken. Die schrie irgendwas aus den blutroten Lippen ins Verlies, so dass sich sogar der schlecht vernähte Unmensch erschreckte. Es war gar kein Gefängnis, eine Art Labor im Keller vielmehr, mit allerhand Gerät aus der Alchemistenküche. Es sah aber aus wie ein Kerker....
15. September 2020
Im Jahr 1939 legt ein Schiff in Hamburg ab. An Bord sind 937 deutsche Juden. Sie wollen nach Kuba auswandern. Die Kubaner haben keinen Platz und keine Lust. Fahrt weiter, die Vereinigten Staaten brauchen Leute und haben jede Menge freies Land. Die USA sind unpässlich, mit Wirtschaftskrise und allem. Kanada winkt auch ab. Wenn wir die nehmen, kommen jeden Tag Tausende nach. Die „St. Louis“ fährt zurück. In Antwerpen werden die Passagiere verteilt, auf die Niederlande, Frankreich, Belgien...

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