23. Mai 2020
Gerhard Polt, denke ich. Das muss vom Polt sein. Schon wegen dem „praktisch“. Ein Sketch aus der Zeit, als es noch den Scheibenwischer gab. Aber nein. Ein besorgter Demonstrant ruft es in die Nachrichtenwelt. Er ist in Not, das sieht man. Er hat sofort mein Mitgefühl und keinesfalls die menschenverachtende Häme des Fernsehteams verdient. Ich werde auch fuchtig, wenn mir einer sagt, Spinnen seien harmlose, wichtige und zusätzlich vom Aussterben bedrohte Tiere. Von Hunden ganz zu...
09. Mai 2020
Für gute Geschichten lasse ich regelmäßig alles stehen und liegen. Sie müssen nicht wahr sein, nicht mal wahrscheinlich. Gut reicht. Sie erzählen von Lummerland, Robinson, Käptn Ahab oder vom Käfer Gregor, der am Abend zuvor noch ein junger Mann war. Ist die Geschichte so lala, haben begabte Erzähler ihre Chance. Das sind aber sehr wenige. Einen kenne ich. Wenn der von Behördengängen berichtet, schreibe ich ins Tagebuch: „heute wunderbare Prosa gehört“. Gruselig wird die Story,...
25. April 2020
Eine Auswahl Windbeutel gibt es jetzt auch auf die Hand. "Wo ist hier der Notausgang?" heißt die Sammlung. Ganz normal im Buchladen zu bestellen, direkt neben der Bäckerei. Außerdem ist nun auch Schokolade zu haben: "Facetten von Dunkel" heißt das Sortiment. Ob luftig oder herb - herzlichen Dank dem Baltrum-Verlag für die Umwandlung von Netzgedanken in Drucksachen! Bild: Cover "Wo ist hier der Notausgang?" und "Facetten von Dunkel" / Baltrum-Verlag
17. April 2020
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille - und hört im Herzen auf zu...
10. April 2020
So sieht sie also aus, die globale Katastrophe. Man sitzt am Küchentisch und macht was am Computer. Die Bedrohung geht unter im verklebten Spül, ist versteckt in Bügelbergen. Auf dem dicken Sitzkissen mit Blümchenmuster kann ich kaum glauben, dass da draußen was Schlimmes passiert. Sachen für die Geschichtsbücher sogar, wenn irgendwann alle Daten aufgelesen und sortiert und alle Toten begraben sind. In der heimischen Küche ist die Vorstellung von bösen Dingen sowieso schwierig, finde...
28. März 2020
Rechnerisch und gesellschaftlich könnte die Epidemie ein echter Glücksfall sein. Jedenfalls bei maximaler Kälte in der Vorratskammer für alten Krempel. Werte und so. Ich bete sie nicht alle runter. Man gerät schnell in Verdacht heutzutage. Wer will schon ein trotteliger Gutmensch sein. Für die Zukunft westlicher Gesellschaften könnte die Krise sogar wegweisend sein. Wir werden weniger, jünger und weiblicher. Was will man mehr? Schluss mit den vielen Alten, Kranken und sonstwie...
19. März 2020
Alle haben Klopapier, nur ich nicht. Jetzt müssen die teuren Tempotaschentücher herhalten. In meinem Dorf kann man die Rolle für 1,50 am Automat ziehen. Da waren früher belegte Brötchen drin. Da seht Ihr mal, aus was für einem pfiffigen Stall ich komme. Ich glaube, wir Deutschen sind auf eine geheimnisvolle Weise anal drauf. Irgendwie arschig. Das merkt man auch bei den Schimpfwörtern. Andere Länder haben's eher mit Körperteilen, die der Fortpflanzung dienen. Gäb's keine...
24. Februar 2020
Karneval ist eine total bekloppte Veranstaltung. Von außen betrachtet. Von Hamburg, Berlin und Hildesheim herab gesehen. Dass kulturgeschichtlich vor der Fastenzeit die Sau rausgelassen wird, ok. Aber das Dreigestirn? Die Geschichte mit den heiligen drei Königen ist schon schwierig genug. Doch Prinz, Bauer und Jungfrau als Hofstaat? Wo ist da um Himmels Willen der Zusammenhang? Dazu die Prinzenproklamation im Gürzenich. Das klingt nach einer Geschichte der Augsburger Puppenkiste mit dem...
28. Januar 2020
Das ist jetzt sehr geheim, aber wichtig: Gebt Ihr einfach so das Wort Depression bei google ein? Ohne nachzudenken, nur weil man jemanden kennt. Und wie sieht’s aus mit Amok, Fifty Shades, Sarrazin oder Nolde? Obwohl hinter dem Eingabefeld einer sitzt und die Suche nach Blutwurst, Russisch Roulette und Handke mitschreibt? Der das Leben der anderen protokolliert. Mir egal, ob der Aufpasser pervers ist oder Algorithmus heißt. Die Formel kennt mich nicht persönlich und denkt sich womöglich...
23. Dezember 2019
Zwischen der Werbung für allerletzte Bestellungen zum heiligen Abend im Land der untergehenden Sonne war letztens ein Bild. Ein armselig untergebrachtes Kind war zu sehen. Es gibt Erwachsene in der Nähe. Vater und Mutter vermutlich. Keine gehobene Mittelklasse, untere auch nicht. Prekariat würde ich sagen. Daneben eigenartige Gestalten. Ich denke an den „Tiger von Eschnapur“. Die Fremden auf dem Bild sehen aus wie die Märchenkönige im Film. Nicht wie die Lepra-Kranken, die aus dem...

Mehr anzeigen