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Dorfgeschichten: Holz

Mit Viechern hat er nichts zu schaffen. Nur wie´s im Dorf so ist. Es gibt Rinder und Schweine fürs Essen. Katzen braucht man für die Mäuse. Bei Ratten sind Katzen schlecht. Die Mutter sagt, Katzen sind sich zu fein für Ratten. Aber das glaubt er nicht. Die Mutter hat keine Ahnung von Katzen. Er auch nicht, aber die Mutter noch weniger.

 

Hunde sind unnötig, ohne Hof und Jagd. Aber er kann auch nichts für die sieben Mäuse vom Hund von denen über ihnen. Nein, niemand hat ihm was hingelegt. Niemand hat die Kartoffeln hergegeben. Sie haben Steine geschmissen auf den Hund. Keine Kartoffeln. Von den Steinen kann man nicht dick werden. Jetzt liegen sieben Würmchen so da und er weiß doch auch nicht. Ob er nicht der Älteste ist mit fast zehn und er soll das jetzt endlich machen. Die sieben Mäuse vom Hund an die Wand.

 

Vom Vater hängt ein schönes Bild in der Küche. Er sieht ganz glatt aus, wie die zwei Kleinen, schön rund. Der Vater ist im Krieg und vielleicht schon tot. Sowieso egal, sagt die Mutter, Hauptsache er hat keinen Urlaub und macht mir Arbeit oder sonst was.

 

Man kennt sich gar nicht aus mit der Mutter. Immer ist sie grantig. Sie geht in die Kartoffeln und er soll in den Wald fürs Holz. Das ist aber nicht schlimm. Holz machen ist gut. Da ist er die Kleinen los und den Fritz auch. Der ist der Liebling. Holz machen tut DER nicht. Nur auf Kampf ist der aus.

 

Immer im Holz und warm ist es doch nicht daheim. „Seltenfroh“ sagt die Mutter zu ihm. Mit dem Fritz lacht sie manchmal, obwohl der nicht mal richtig Luftfahrrad fährt nachts, damit es wärmer wird. Der tut, als ob er abrutscht und boxt ihm mit dem Fuß in den Bauch. Dafür kriegt er dann einen Reibekuchen mehr. Einmal waren es über zehn, er könnte aber noch mal so viel wie der. 

 

Sie sind jetzt sieben wegen dem vielen Urlaub vom Vater. Die Mutter sagt, haben die denn nichts zu tun im Krieg? Sie ist sehr stark und tut, als ob das nichts wär´. Säckeweise kann sie Sachen tragen. Sie schnauft dabei und lacht, wenn die Nachbarn sagen, so ohne Mann hat man´s nicht leicht, gell? Mit Mann wird man schwer, ruft sie dann und denkt sich Geschichten für die Prunksitzung aus, wo sie von Mann und Frau und Kindern erzählt, dass sich alle kaputtlachen.

 

Er versteht nicht richtig, dass sie die Kinder sind. Wenn sie kocht, merkt man es ein bisschen. Da dürfen sie an den Teig. Nicht alle, aber wer grad gut ist. Am besten versteht man, dass sie die Mutter ist, wenn sie schimpft und weit ausholt. Voller Wucht trifft sie dann mindestens drei mit einem Arm wie ein Ast, der zum Heizen ganz schlecht wär´.

 

 

Foto: Susanne

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Mechthild (Sonntag, 15 Oktober 2017 15:09)

    Davonist will ich unbedingt mehr!
    Das ist doch zumindest der Anfang einer Erzählung, Kurzgeschichte oder gar Novelle?
    Oder ist es der Mittelteil?
    Egal, mein Kopfkino ist jedenfalls ganz schön in Bewegung geraten.

  • #2

    Susanne (Montag, 16 Oktober 2017 21:28)

    Liebe Mechthild,
    das freut mich sehr. Danke Dir. Nichts finde ich schöner als gemeinsam Filme im "Kopfkino" zu gucken.
    Herzlich
    Susanne

  • #3

    Jutta (Mittwoch, 18 Oktober 2017 08:37)

    Kommentieren kann ich nicht... fühlen umso mehr!!!