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50-Meter-Bahn

In der Weihnachtszeit haben es Wünsche schwer. Man redet schlecht über sie. Zu groß, zu viel, zu teuer. Überflüssig, unsinnig, total jenseits. Und dabei so dinglich. „Ein neues Smartphone? Spinnst Du jetzt?“

 

Wir haben uns immerhin den Weltfrieden gewünscht und ein bisschen Liebe unter guten Umständen. Gottlos, aber haarscharf dran an der Weihnachtsbotschaft. Einzwei Jeans mit dem erlaubten Label und fertig ist das aufsässige Subjekt. Irgendwas muss man ja anziehen.

 

Das mit dem Weltfrieden hat bislang nicht hingehauen, das mit der Liebe hin und wieder ein bisschen. Man hat ja auch keine Zeit und Kraft mehr für die großen Dinge. Der Kredit fürs Haus, die drohende Erbschaft, die neue Küche überfällig.

 

 

Ich finde neuerdings Wunschlosigkeit bedenklich. Der Zustand soll zwar glücklich machen, kommt mir aber trotzdem falsch vor. Ich muss dabei an meine Oma denken, die sich immer schwer tat mit dem Wünschen. „Ihr seid ja verrückt, ich hab´ doch schon vier Kleider in Cellophan.“

Und ich denke an meine Mutter, die immer Mühe hatte, ihre Wünsche klein zu halten. „Ach Kinder, ich brauch´ doch nichts. Aber ein paar goldene Schuhe...“

 

Zu Neujahr wird das Wünschen wieder moralisch verträglicher und gleichzeitig völlig maßlos. Frieden, Gesundheit, Glück und alles Liebe und Gute. Drunter geht´s nicht. 

 

Dann kommt gleich Karneval. Da kann man sich auch was wünschen. Ein Anderer sein, wild, Häschen, Zirkusclown. Warum nicht?

 

Eigenartig nur, dass uns zwischen Kaufsachen und schierer Metaphysik offenbar wenig zum Wünschen einfällt. Ehrlich gesagt musste ich auch lange nachdenken. Dann wusste ich es: eine 50-Meter-Bahn nur für mich.

 

Die Anderen sollen es aber auch schön haben.

 

Da wird´s leider mühsam und - ich kann ja auch nichts dafür - politisch. Zwischen amazon und dem blauen Himmel gibt es jede Menge zu wünschen. Und zu tun.

 

Foto: Internet

 

Ich wünsche uns Allen nie versiegende gute Wünsche für uns Alle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jutta (Montag, 01 Januar 2018 22:44)

    Spannend!!! Ich neige auch zu den Extremen: Aber da mache ich jetzt mal ein kleines persönliches Experiment draus: Morgen wünsche ich mir einen Wunsch aus „der Mitte“.... zwischen „nix“ und „dem Himmel auf Erden“. Und wenn das klappt, also das Wünschen, nicht die Erfüllung, dann könnte ich es ja mal ne Woche lang versuchen.
    Ach, fange ich doch direkt damit an: Ich wünsch mir ne gute Nacht!!