Fleischsalat

Angeblich ist die Welt so unübersichtlich geworden, dass sich keiner mehr auskennt. Darum sehnen wir uns nach gefährlichen Papas und dem Schlaflied von Mama. Wir denken: schlimmer Finger und hoffen ansonsten auf Wunder. So stelle ich mir ehrlich gesagt das Mittelalter vor. Minus Wahlrecht, schon klar. Aber wenn ich mir überlege, was alle meine Kreuze im Kästchen bewegt haben? Da hätte ich auch dem Herrn Jesus Christus die Füße küssen können.

 

Wahlen bestimmen ja nicht das Weltgeschehen. Sie bewerten die eine oder andere Nachricht aus der Tagesschau im landestypischen Tonfall. Stimmt nicht. Tagesschau war früher. Jetzt ist Russia today, Politically incorrect oder was weiß ich. Ein lässiges Like oder zorniges Gesicht ergeben aber keine nützliche Gebrauchsanweisung für die Zukunft.

 

Grundstürzendes droht immer, wenn´s erstens um die Wurst geht. Und zweitens um´s Ego. In Personalunion ergibt das die beleidigte Leberwurst. Also eine überwürzte Mischung aus Schlachtabfällen. Das hat mir mal ein Metzger verraten. Er war per Anhalter unterwegs, wollte lieber Florist werden irgendwo.

 

Die Wurst war Brot, als die Erde eine Scheibe war. Mit der Zeit wurde sie zum gemischten Aufschnitt aus Arbeitsplatz, Ölpreis, Miete. Jetzt ist die Wurst wieder Wurst geworden. Oder tausend Mal schlimmer: Käse. Ich soll jetzt nicht mehr die feinen Häppchen kriegen und der Kerl nicht mehr sein kostbares Grillgut.  Keine Butter aufs Brot, nur weil die Erde nicht so robust ist wie unser schöner Dieselmotor? Den haben schließlich wir erfunden. Und wir können uns noch total viel mehr ausdenken. Wir könnten die ganze Welt. Waren schon immer die größten Würstchen aller Zeiten. Wenn nur die anderen, wie soll ich sagen - Menschen?  - nicht wären. Mit keiner Ahnung vom Leberkäs.

 

Die Angst vorm Büffet ohne Fleischsalat macht einen ganz verrückt. Manchmal kann ich an nichts anderes mehr denken. Gucke auch keine Tagesthemen mehr, die wollen mich nur ablenken mit ihrem ständigen Wetterbericht.

 

Wir leben in reaktionären Zeiten. Das habe ich kürzlich gelesen. Gewählt habe ich die nicht. Aber mit Fremdwörtern tue ich mich schwer. Heißt das, Zeit zu handeln?

 

Foto: Susanne Küche

 

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